Me and my monkeys

Wer kennt das nicht – Gedanken, die durch den eigenen Kopf sausen wie eine Horde aufgekratzter Affen durch den Urwald? Yogis nennen dies passenderweise Monkey Mind. 

 

Im Alltag sind diese Monkeys die Ursache dafür, dass ich mich oft nur schlecht konzentrieren kann und es nicht schaffe, mich einer Sache von Anfang bis Ende zu widmen – sowohl bei der Arbeit, wenn ich das Schreiben einer E-Mail zig-mal unterbreche, weil andere To-Dos wie Pop-Ups in meinem Kopf auftauchen, als auch zuhause, wo die Nudeln für's Abendessen schon mal überkochen, weil mir parallel der Einfall kommt, Wäsche zusammenzulegen, eine To-Do-Liste zu schreiben oder E-Mails zu beantworten. Meine Monkeys kennen da kein Pardon. Sie rasen so lange in meinem Kopf hin und her, bis ich ihrem Drängen nachgegeben habe, und denken sich dann schnell den nächsten Auftrag aus. Auf Pausen können sie wohl gut verzichten. 

 

Leider sind die Affen auch oft in Momenten in action, in denen ich bewusst versuche, mir (und ihnen) eine Ruhepause zu gönnen… auf der Yogamatte, auf dem Meditationskissen oder abends im Bett. Es kam schon all zu oft vor, dass ich mitten im Herabschauenden Hund aufgesprungen bin, um den Einkaufszettel zu ergänzen, weil die Äffchen brüllten „Du brauchst neues Duschgel – ganz dringend!", oder dass ich während der Meditation, anstatt die Gedanken ziehen zu lassen, verkrampft daran dachte, dass ich auf keinen Fall vergessen sollte, die Waschmaschine zu befüllen und zu programmieren, damit ich am nächsten Morgen die Wäsche aufhängen kann (was gerne mal darin endete, dass ich Meditation Meditation sein ließ und mich der Wäsche widmete). 

 

Solche Momente, in denen ich vor der Affenhorde kapitulierte, fühlten sich wie eine Niederlage an. Lange Zeit habe ich verschiedenste Methoden ausprobiert, um meine Monkeys zum Schweigen zu bringen: ich habe versucht, ihr Kreischen zu ignorieren – aber Weghören war noch nie meine Stärke, ich habe versucht, ein Machtwort zu sprechen und sie in Gedanken angebrüllt, mich in Ruhe zu lassen – das hat aber sowohl sie als auch mich nur noch mehr in Rage gebracht, ich habe versucht, sie zu bestechen („Na gut – ich gieße kurz die Blumen und dann lasst Ihr mich weiter meditieren") – aber das führte (nach dem Motto „Kleiner Finger, ganze Hand") nur dazu, dass sie sich gleich mit etwas Neuem kamen. Was tun? 

 

Nun ja – wie heißt es so schön? Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Vielleicht ist es auch ein bisschen viel verlangt, in Sachen Gedankenkontrolle direkt von 0 auf 100 zu kommen – oder besser gesagt von 100 (Gedanken) auf 0. Und schließlich ist es die Übung, die den eben genannten Meister macht. 

 

Step by step heißt seit einiger Zeit die Devise. Und darum bin ich irgendwann dazu übergegangen, meine Übungszeit zur Gedankenkontrolle, also meine Meditations- und Yogapraxis, in die frühen Morgenstunden zu verlegen, wenn die Äffchen noch ganz schlaftrunken sind. Dann ist der Geist noch nicht aufgewirbelt durch die vielen Eindrücke, die tagsüber auf uns einstürmen, und das Gedankenkarussell im Kopf hat noch nicht volle Fahrt aufgenommen. Zu dieser Tageszeit fällt es mir wesentlich leichter, mich voll und ganz auf das Hier und Jetzt auf Yogamatte und Meditationskissen zu konzentrieren, und es gelingt es mir sehr viel besser, die gelegentlich auftauchenden Gedanken beiseite zu schieben und auf später zu vertrösten. 

 

Ein Laufeinsteiger fängt auch nicht gleich mit der Marathonstrecke an, sondern wird zunächst auf kurzen Distanzen trainieren. Und warum sollte es sich mit der Monkey Mind-Zähmung anders verhalten? Darum übe ich mich fleißig frühmorgens in Gedankenkontrolle, um dann das Eingeübte auch in anspruchsvolleren Situationen im Alltag zu erproben. 

 

Monkeys, nehmt Euch in Acht - here I come!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0